Sind Tennismütter dieneuen Eislaufmamis?

Sie sei «in grosser Irritation», schreibt Eva S. aus H. Der Grund: Sie habe mit drei Freundinnen einen Kurs in Padel besucht, jener tennisähnlichen Sportart, die derzeit einen regelrechten Siegeszug erlebt. Nach «zwei Stunden Schwitzen, Lachen und Keuchen» habe man sich im Clubrestaurant «etwas Flüssiges gegönnt». Dort habe die Gruppe zwei Mütter beobachtet, deren Nasen fest an die Glasscheibe zu den Tennisplätzen gedrückt waren. Dazu hätten die beiden ihren Töchtern Anweisungen zugerufen und mit den Armen gefuchtelt, als liesse sich eine Federer-Rückhand per Zeichensprache vermitteln. Die Gruppe um Frau S. möchte nun von der Askforce wissen: «Sind Tennismütter die neuen Eislaufmamis?»

Gerne, Frau B., würden wir Sie beruhigen und sagen, die beiden Damen in der Tennishalle hätten sich schlicht im Enthusiasmus verloren. Doch die Askforce muss leider feststellen: Es handelt sich um ein Phänomen, das längst aus dem Bereich harmloser Freizeitgestaltung herausgewachsen ist.

Und hier lassen sich zwischen Tennismüttern und Eislaufmamis ganz klar Ähnlichkeiten erkennen: Beide verfügen über einen unerschütterlichen Glauben daran, dass das eigene Kind über ein Talent verfügt, das sämtliche Gesetze der Physik, Pädagogik und Pubertät ausser Kraft setzt. Nicht selten kommt der stille Schmerz der verpassten eigenen Karriere dazu. Wer so viel Geld, Zeit und Hoffnung investiert, will Resultate sehen. Mit jedem verpatzten Rittberger, jeder verschlagenen Vorhand wird die Zukunft der Familie aufs Spiel gesetzt – dies gilt es mit der nötigen Strenge zu vermeiden. Die Unterschiede hingegen sind marginal: anderes Schuhwerk, andere Sporttaschen, andere Fachbegriffe. Wo die einen über Axel und Salchow diskutieren, analysieren die anderen Kickaufschlag und Topspin-Volles.

Und doch: Obwohl die Ähnlichkeiten frappant sind, ist es falsch, Tennismütter als neue Eislaufmütter zu bezeichnen. Das suggeriert nämlich, die Eislaufmütter seien verschwunden. Doch diese sind noch da – und wie. Wenn überhaupt haben die Tennismütter die Tennisväter abgelöst, die inzwischen von den meisten Tennisplätzen verbannt wurden, weil sie Niederlagen noch schlechter vertragen als der Nachwuchs.

Aber, Frau S., es gibt Hoffnung: Meist löst sich das Problem von selbst. Spätestens dann, wenn die Tochter lieber Padel spielt – und sich nach zwei Stunden Schwitzen, Lachen und Keuchen etwas Flüssiges gönnt. 

 

Askforce Nr. 1241
29. Juni 2026