Knetbare Ärzte im Fokus

Gegen eine plastische Darstellung eines Sachverhaltes ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen einen plastischen Chirurgen. «Als Mathematiker war und bin ich auch an sprachlicher Präzision interessiert», schreibt uns ein Leser aus B. Auf SRF sei ein «plastischer Chirurg» vorgestellt worden. Dieses Attribut habe ihn gestört, denn der Duden definiere das Wort plastisch als knetbar. Nun aber wundert sich der Mathematiker und wendet sich an die Askforce: «Was zeichnet einen knetbaren Arzt vor seinen Kollegen aus?»

Es ist allgemein bekannt, dass Menschen, wenn sie noch jung sind, besser formbar sind als im Alter. Die Knochen werden spröde, darüber ist schon viel geschrieben worden, das wir an dieser Stelle nicht zu wiederholen brauchen. Frisch ab Presse, also direkt von der Uni, dürften Mediziner am knetbarsten sein – allerdings muss man sich beeilen, wenn man sie weiter modellieren will, da die Aushärtung meist umgehend einsetzt.

Erstaunlicherweise trifft der Umstand der Knetbarkeit noch in anderem Sinne auf junge Ärzte zu: In der Ausbildung haben sie noch nicht viel Geld verdient, sie sind also zu diesem Zeitpunkt «der Knete am barsten», was wir mathematisch als Aneinanderreihung von Summanden betrachten und darum zu «am knetbarsten» umstellen, wobei wir ein E als «Quantité négligeable» wegstreichen, es gibt sowieso zu viele davon.

Da die Askforce mit diesen Erklärungen noch nicht vollständig zufrieden ist, haben sich einzelne Mitglieder des Gremiums in Operationssälen umgehört. Dort erhielten wir leider zwei weitere Begründungen, was einem Mathematiker, der naturgemäss viel Wert auf Eindeutigkeit legt, wohl kaum gefallen dürfte. So sagten einige, plastische Chirurgen dienten dazu, dass andere sie durchwalken und durchkneten könnten, um die eigenen Hände geschmeidig zu machen. Das diene der Vermeidung von Kunstfehlern. Andere jedoch behaupteten, damit seien Playmobil-Manoggeli gemeint, welche als Glücksbringer aufgestellt würden. Eine klare Fehlbezeichnung, so der Standpunkt der Askforce, das wären dann eher Plastikchirurgen. Aus all diesen Erwägungen folgt die Gleichung: «plastisch = knetbar = jung».

Askforce Nr. 603,
25. März 2013