Ein Individuum ganz ohne Hirn
«Liebe Askforce», begrüsst uns Herr Beat O. Ihm sei beigebracht worden, dass jeder Vollrausch eine gewisse Menge Gehirnzellen unwiederbringlich zerstöre. Nun stellten sich ihm beim Lesen über «die zunehmend zahlreicher stattfindenden Botellones» gleich mehrere Fragen: «Gibt es eine Formel, mit welcher errechnet werden kann, wann ein Gehirn völlig verschwunden ist? (…) Dann würde mich interessieren, wie ein Individuum völlig ohne Gehirn von der Umwelt wahrgenommen wird?» Zudem interessiert Herr O., ob die Anfälligkeit zur Teilnahme an solchen Veranstaltungen vererbbar sei. Und wenn ja: «Wann wird die ganze Menschheit hirnlos sein?»
Lieber Herr O., das ist wirklich ein langer Fragenkatalog. Am besten gehen wir ihn systematisch durch.
- Die Formelfrage: Nein, die Hirnauflösungsformel existiert so nicht. Mittels regelmässiger Wägungen (Küchenwaage genügt) kann der besorgte Quartalssäufer aber den Abbau seiner Hirnmasse beobachten und daraus den ungefähren Zeitpunkt der Komplettauflösung ableiten. Ist er dazu nicht mehr in der Lage, macht er sich wohl auch keine Sorgen mehr.
- Die Wahrnehmungsfrage: Ein Individuum «ganz ohne Gehirn», Herr O., wird von der Umgebung nicht als Individuum wahrgenommen.
- Die Vererbungsfrage: Im Grunde ist sie noch nicht abschliessend zu beantworten, da das Phänomen Botellón auch im trendsetzenden Spanien erst ein paar wenige Jahre alt ist. Allerdings lässt sich anhand der Kinder der ersten Freilufttrinker ableiten, dass gewisse Verhaltensmuster durchaus vererbbar sind: Auch die Babys der Bottellonistas hängen nachweislich an der Flasche. Beziehungsweise am Fläschchen.
- Die Menschheit-ohne-Hirn-Frage: Es gibt Leute, die behaupten, dieser Zustand sei schon erreicht. Wir sind anderer Ansicht. Für verbindlichere Auskünfte betreffs Totalschaden wenden sie sich bitte ans Cern.
Askforce Nr. 383,
15. September 2008