Warum zuerst die Blockflöte?

Christoph B. schreibt uns dies: «Wie jedes Kind, das ein Instrument spielen wollte,
kam ich in den Genuss der Blockflöte.» Ihm sei gesagt worden, das ergebe «eine gute Basis für andere Instrumente». Bei ihm war es anders, denn Herr B. schliesst wie folgt: «Das Ende des Liedes: Wegen der Flötenlektionen spiele ich heute kein Instrument. Meine Frage: Wieso muss man zuerst Blockflöte lernen, wenn es doch so viele bessere Instrumente gibt?»

Sie müssen jetzt tapfer sein, Herr B.: Wir holen unsere Posaunen hervor und umrunden Sie sieben Mal, um Ihre falschen Vorstellungen zum Einsturz zu bringen.

Umrundung (U) 1: Wäre die Blockflöte für Sie tatsächlich ein Genuss gewesen, würden Sie heute ein Instrument spielen.

U 2: Sie spielen nicht wegen der Flötenlektionen kein Instrument, sondern weil Sie nicht auf die Blockflöte angesprochen haben.

U 3: Falls Sie sich dank einer Blockflöte eine musikalische Basis hätten erarbeiten können, wäre Ihnen dies auch mit einem anderen Instrument gelungen.

U 4: Für Sie gäbe es auch dann ein «Ende des Liedes», wenn Sie mit einem «besseren» Instrument angefangen hätten. Ein Instrument, das man in eine Ecke stellen kann, hätten Sie in die Ecke gestellt. Ein Instrument, das man an einen Nagel hängen kann, hätten Sie an den Nagel gehängt.

U 5: Falls Sie glauben, Ihre Musikalität sei eigentlich recht ausgeprägt, aber wegen des Flötentraumas sei es Ihnen nicht möglich, sie gebührend zum Ausdruck zu bringen, verwechseln Sie etwas: Musik als schön zu empfinden, ist nicht das Gleiche, wie schöne Musik zu machen.

U 6: Dazu haben wir Ihnen einen Selbsttest. Das negative Ergebnis erkennen Sie augenblicklich (beachten Sie bitte das Kleingedruckte unten): Vergegenwärtigen Sie sich die Titelmelodie von Harry Potter und summen sie diese. Falls Sie den Film nicht kennen, probieren Sie es mit Tschaikowskys «Schwanensee».

U 7: Nun benötigen Sie Trost. Suchen Sie im Internet Mozarts Gran Partita, die Serenade für ein Bläserensemble, die im Film «Amadeus» auf unvergessliche Weise in Szene gesetzt wurde. Stellen Sie sich vor, das Blockflötenspiel hätte Sie als Kind beseelt, Sie hätten mit Klarinette angefangen und wären nun der Musiker, der nach einer halben Minute die Melodie der Oboe übernimmt und sie weiterträgt. – Wenn Sie die Freude nicht mehr aushalten, Herr B.: Sie dürfen jetzt weinen. 

Askforce Nr. 1243
13. Juli 2026