Trojanische Pferdestärke

Kino kann das Denken anregen. Diese sonderbare Erfahrung machte Zladko L. aus Köniz, als er und seine Kumpels sich Christopher Nolans «The Odyssey» auf Grossleinwand gönnten. Im Nachgang stellte sich ihm nämlich die existenzielle Frage: «Wie viele PS hatte eigentlich das Trojanische Pferd?»

Seine Frage zeigt, dass der juvenile Mann von heute die Welt immer noch in PS messen will, obwohl er Pferde und deren Stärke höchstens vom Hörensagen kennt. Bei Schimmel und Rappen denkt er nämlich zuerst an Fäulnis und ans leere Portemonnaie, nicht aber an weisse und schwarze Rösser.

Selbst Pferden leuchtet nicht mehr ein, was die Uraltmasseinheit «Pferdestärke» noch soll: So verschieden die Pferde, so unterschiedlich deren Stärke. Zwischen der Stärke des zierlichen Falabella-Rössleins und der Stärke eines stämmigen Brabanter Brauereipferdes liegen Welten. Der Physiker James Watt (1736–1819) hätte das bedenken müssen! Er war es, der die ersten Dampfmaschinen mit der nutzbaren Leistung eines Arbeitspferdes im «Dauerbetrieb» vergleichbar machen wollte. Was ein durchschnittliches, britisch mangelernährtes und während zehn Stunden dumpf im Kreis trottendes Arbeitspferd langfristig zu leisten vermag, nannte er 1 Pferdestärke. Heute messen wir Leistung in Watt – James zu Ehren. 1 PS = 735,5 Watt. Die leicht flackernden Glühbirnen im Askforce-Kontor haben 60 Watt, nicht 0,08 PS.

Nun zum wuchtigen und wohl aus Planken von gestrandeten griechischen Galeeren zusammengeschusterten Trojanischen Pferd: Es stand völlig kraft- und regungslos vor den Toren Trojas! Zero PS. Nullkommanull PS. So wie ein Tesla ohne Steckdose oder ein Ferrari ohne Sprit. Die Trojaner mussten das Pferd selber in die Stadt zerren. Auch bei hohlen Holzpferden kommt es also primär auf den Tiger im Tank an respektive auf den inneren Griechen. Der alte Grieche à la Odysseus ist – wenn er sich mit Verve in die Schlacht wirft – etwa ein halbes PS zu leisten imstande. Ein Pferdebauch voller alter Griechen darf also mit einer kurzzeitigen Gesamtleistung in der Grössenordnung von 24 PS prahlen. Doch 24 PS bringt auch ein heutiges Normalpferd für kurze Zeit hin. Was zur banalen Folgerung verleiten kann: Das Trojanische Pferd hatte die Stärke eines Pferdes. Ein typisches Deppen-Theorem.

Aber Homer beschreibt das hölzerne Ding ja wenig präzise. Heutige Archäologen fragen deshalb: War Homers duratheos hippos gar kein Pferd, sondern ein Schiff? Denn die Griechen nannten die breitbauchigen phönizischen Handelsschiffe mit dekorativen Pferdeköpfen am Bug schlicht hippoi – also Pferde. War aber das trügerische Geschenk an Troja kein mit Griechen gefülltes Pferd, sondern ein mit Griechen gefülltes Schiff – dann muss man die ihm innewohnende Kraft ohnehin nicht in Pferdestärken (PS) messen, sondern besser in Seepferdchenstärken (SPS).

Ein Seepferdchen kann eine Spitzenleistung von 0,1 Watt erbringen. Und den verpackten Griechen trauen wir insgesamt 17’500 Watt zu. Wir rechnen somit: 17’500 ÷ 0,1 = 175’000. Das Trojanische duratheos hippos – seine Füllung eingerechnet – hatte an und für sich etwa 175’000 SPS in sich. Klingt stark, nicht wahr?

PS. Für uns von der Askforce zählen weniger die PS, eher die KS, die Koffeinstärken.

Askforce Nr. 1258
19. Oktober 2026