Die Schwellenhöhe
Basel, 276,75 Meter über Meer (m ü. M.)
Liestal, 327,06 m ü. M.
Thurnen, 549,60 m ü. M.
Bümpliz-Nord, 554,40 m ü. M.
Ostermundigen, 557,95 m ü. M.
Zweilütschinen, 651,80 m ü. M.
Brig, 677,74 m ü. M.
Alp Grüm, 2090,80 m ü. M.
Das ist eine willkürliche Auswahl sogenannter Schwellenhöhen von Schweizer Bahnhöfen und -stationen. Heinz R. aus Mühlethurnen kennt diese Zahlen. Aber er ist ein Mensch, der seine Umwelt fundiert begreifen will. Richtigerweise fragt er deshalb bei der Askforce nach: «Auf welche Schwelle bezieht sich dieser Wert? Auf die Türschwelle des Bahnhofeingangs? Auf die Holz- oder die Beton-schwellen unter den Zugschienen?» Er rät uns, in sämtlichen Geländen und auf allen Ebenen – «auch im Bahnschotter» – nach einer Antwort zu suchen.
Eine gründliche Betrachtung ist da in der Tat überfällig. Die Schwellenhöhen sind zunächst bloss diskrete Inschriften an unseren Kapellen und Tempeln der schienengebundenen Mobilität. Aber wie so oft bei solch sakralen Epigrammen: Sie sind leicht zu lesen, aber in ihrer ganzen Bedeutungstiefe schwer zu verstehen.
Echte Ferrophile wissen, dass die Schwellenhöhe – Achtung! – nicht die Höhe der Schwelle angibt, sondern die Höhe der Schienenoberkante in Metern über Meer. Und dass diese Schienenoberkante korrekterweise als Schienenkopf zu bezeichnen ist. Wir begreifen hier bereits die Dimensionen des Themas: Der Schienenkopf ist das Massgebende, Bewusste, Absolute, das an und für sich Seiende; die Schwelle unter der Schiene ist das Mystische, Unterbewusste, halb im Unterschwelligen, sprich im Kiesbett Verborgene. Im Schienenuniversum zählt der Kopf, nicht der Kies.
Worin aber liegen Wert und Bedeutung von Schwellenhöhen respektive Schienenoberkantenwerten? Sie stehen für das letzte, absolute, weltweit geltende Bezugssystem. Ganz anders als etwa die Hemmschwelle ist die Schwellenhöhe nicht wirklich verhandelbar. Die Hemmschwelle hingegen kann von Enthemmten nach Belieben verschoben werden, um dabei moralische Werte in ihr Gegenteil zu wenden. Mit der Schwellenhöhe hingegen lässt sich kein solcher Unfug treiben: Wer Bahnschwellen umkehrt, wirft alles aus der Bahn. Auf umgekehrten Schienen verkehrt gar nichts mehr. Niemals.
Wir kommen zur Konklusion. Für eiserne Anhänger:innen der verbindlichen Schwellenhöhe ist diese das Mass aller Dinge. Sie ist auch die Quelle grosser Hoffnung jenseits des Schienennetzes, denn vielleicht erfindet die Menschheit ja endlich: den Hemmschuh für die Hemmschwelle. Bahntechnisch gesprochen: damit jene, die unseren Zug auf ein Abstellgleis in Richtung Prellbock lenken wollen, noch ganz kräftig gebremst – ja, ausgebremst! – werden.
Askforce Nr. 1250
24. August 2026