Wie kommt es zu zwei Wappen?

Manchmal ergibt das eine das andere. Vor zwei Wochen hat die Askforce erklärt, wie man die Zeit an der Uhr am Berner Käfigturm abliest. Daraufhin hat uns Frau Marianne W. aus Bern geschrieben: «Guten Tag, wie schön, dass es einen Briefkastenonkel gibt.» Nach 25 Jahren Auslandaufenthalt schaue sie ihre Heimatstadt auch mit Touristenaugen an. Dabei sei ihr nicht nur der Uhrzeiger am Käfigturm aufgefallen, sondern auch das Wappenrelief darunter: «Wie kommt es jedoch», fragt sie, «zu den zwei Berner Wappen, die sich gegenüberstehen?»

Gratulation, Frau W., Sie haben etwas gesehen, was noch kein Mitglied der Askforce bewusst wahrgenommen hat: Am Käfigturm prangt ein Wappenensemble mit zwei einander zugeneigten Bären und einem Habsburgeradler darüber. Nach ein paar Klicks auf der – Obacht: Schleichwerbung! – Webseite digibern.ch und zwei Telefonaten mit Wappenkundigen wissen wir: Das Relief stammt aus dem Jahr 1643, als der Käfigturm neu aufgebaut wurde. Heraldisch interessant ist es, weil es wohl das letzte Reichswappen darstellt, das vor dem Ausscheiden der Eidgenossenschaft aus dem Reichsverband noch an einem bernischen Staatsbau angebracht wurde.

Doch warum gleich zwei Bären? Offenbar ging es um die Herstellung von Symmetrie. Und möglicherweise darum, dem Bernischen auf elegante Weise mehr Gewicht zu geben, ohne den Adler unter einem Bären platzieren zu müssen. Viel mehr haben wir nicht herausgefunden, Frau W. Nur eine Nebensächlichkeit wollen wir Ihnen nicht vorenthalten (auch im Gespräch mit Wappenkundigen ergibt das eine das andere): Oder haben Sie schon gewusst, dass auf den Streifenwagen der Kantonspolizei der Bär nicht immer nach links schaut wie auf gedruckten Berner Wappen? Auf der rechten Fahrzeugseite schaut er nach rechts! Der Grund ist ein historischer: Ein Wappentier hatte schon auf dem Schild eines Ritters stets in Laufrichtung zu schauen.

Askforce Nr. 363,
21. April 2008