Ist mehr besser?
«Ist mehr besser?», fragte sich Rebekka R. aus Köniz am Chlousetag letzten Jahres – eine Frage, die unsere Kleinsten im Angesicht des heiligen Waldmannes wohl mit einem freudigen Ja beantworten würden! Wobei nicht der Chlousetag unsere Fragestellerin beflügelt haben dürfte, sondern das gleichentags gefeierte 25-jährige Bestehen der Mutter aller Fachinstanzen, deren Antwort Sie hier lesen dürfen.
Zuallererst fragt sich die Askforce indes, wie die gute Frau R., Kindsbeinen längst entwachsen, überhaupt daran zweifeln kann, dass mehr besser ist. Ohne Frau R.s konkrete materielle Verhältnisse zu kennen, konstatieren wir in dieser Frage Anzeichen von Wachstumsmüdigkeit. Frau R., Sie hinterfragen das Fundament unseres Wohlstandes! Aber das nebenbei.
Wir spekulieren mal, was unsere Fragestellerin getriggert haben mag: Es war wohl der Leitspruch aller Asket:innen: «Weniger ist mehr.» Und siehe da: Exakt dieser Wortlaut entspricht dem sogenannten zwölften Askforce’schen Paradoxon! Tauchen wir hiermit ein in die wundersamen Widersprüchlichkeiten dieser Welt, denn «Weniger ist mehr» enthält implizit, dass mehr besser ist. Besser als was? Als weniger, natürlich. Mehr verdienen, mehr besitzen, mehr machen – Leitmotiv des Kapitalismus.
Wie finden wir aus diesen überfordernden Zirkelschlüssen heraus? Mit der Eleganz der Askforce, of course: Indem wir beides zulassen, sowohl mehr wie auch weniger. Deshalb sagen wir doch so gerne «mehr oder weniger». Hattest du es schön in den Ferien? Mehr oder weniger. Bisch zwäg? Mehr oder weniger.
Aber auch das hält doch keine:r aus! Weshalb männiglich und weibiglich gerne wiederum heftig Gegensteuer gibt und mit einem Modewort antwortet: «Genau!» Haben Sie schon bemerkt, liebe Frau R., wie heutzutage auf alles ein «Genau» vorgebracht wird? Ich fühle mich heute so schlapp. Genau! Ich weiss gar nicht, was ich tun soll. Genau, ich auch nicht! Schlaf gut, Schatzilein! Genau, Liebster!
Wem diese Scheingenauigkeit suspekt scheint, der oder die greift nun zum eingeschobenen «Wie»: Mein Elektriker hat mir die Lampe heute wie repariert. Oder: Es ist mir wie egal, ob wir jetzt oder später baden gehen. Oder: Ich habe wie kein Geld mehr. Worauf ein tröstliches «Aber weniger ist doch mehr!» kurz über die Runden helfen kann.
Womit wir wieder ganz bei Ihnen wären, Frau R. Bestätigen Sie unsere messerscharfe Analyse jetzt bitte mit einem deutlichen «Genau»! Und frustrieren Sie die Askforce bitte ja nicht mit einem «Mehr oder weniger»! Denn weniger ist doch wie mehr! Also wie besser. Genau: Wie mehr ist wie besser.
Askforce Nr. 1245
20. Juli 2026