«Inkludiert» exkludieren?

«Inkludiert» exkludieren?

Herr Simon H. aus Hinterkappelen ärgert sich über «die gedankenlose Verwendung des Wortes «inkludiert», zum Beispiel in Reiseprospekten – und fragt: «Haben Sie ein Rezept, wie man ‹inkludiert› exkludieren kann?» Denn «inkludiert» werde im Duden nicht aufgeführt, im Gegensatz zu «exkludiert».

Ach, Herr H.! Ihr Anliegen löst spontanes und wissendes Seufzen unter den Expertinnen und Experten der Askforce aus! Denn letztlich sprechen Sie eine der existenziellen Menschheitsfragen an: inklusive oder exklusive? Siehe Trinkgeld! Inklusion oder Exklusion? Siehe Schulwesen! Oder Exklusivität? Siehe Gastronomie und Hotellerie! Begriffe, die ja alle im Duden zu finden sind – übrigens auch «inkludiert», Herr S., da haben Sie wohl eine Ausgabe aus dem letzten Jahrtausend konsultiert.

Wie so manches im Leben muss schon nur der Versuch einer Antwort auf Ihre Frage höchst zwiespältig ausfallen. Denn einerseits erhalten Sie nun als Askforce-Abonnent von uns eine exklusive Antwort. Andererseits legen wir unseren sanften Arm des Wissens um Ihre Schultern und inkludieren Sie hiermit respekt- und liebevoll. Willkommen im Schoss der Mutter aller Fachinstanzen! Und schon erhält doch der von Ihnen so gehasste Begriff eine durch und durch positive Färbung.

Als aufgeweckter Zeitgenosse haben Sie nun sicher realisiert, welch veritables Minenfeld Sie mit Ihrer Frage betreten. Doch in solchen gibt’s ja nicht nur tödliche Minen, sondern auch ungefährliche Zwischenräume. «Inklusion» beispielsweise wollen wir einem Zwischenraum zuordnen, wird doch die Inklusion körperlich, geistig oder seelisch Versehrter und anderer Benachteiligter zumindest als Ziel recht breit anerkannt. Die Inklusion von Straffälligen hinter dicken Gefängnismauern, um eine ganz andere Thematik aufzugreifen, dürfte sogar weitgehend unbestritten sein. Umso mehr schockierte es die Expertinnen und Experten der Askforce, als sie kürzlich erfuhren, dass ein ehemaliger Fragesteller nun in der Strafanstalt Thorberg inkludiert sei! «Sechs Jahre Thorberg, Kost und Logis inkludiert», würde es in Ihren ungeliebten Reiseprospekten heissen, Herr H. Vom Reisebüro Prison-Tours, nicht wahr? Übrigens: Dieser billige Scherz ist gratis – in unserer Antwort inkludiert!

Damit sind wir wieder beim Thema: «Inkludiert» ist ja das Wort, das Sie so triggert. Wie man es exkludieren könne, wollen Sie wissen. Wir sagen es Ihnen frank und frei: Indem man solche Angebote nicht mehr kostenfrei ins Reiseprogramm aufnimmt, sondern knallhart verrechnet. Dann heisst es halt, um unser Beispiel von Prison-Tours heranzuziehen: «Sechs Jahre Thorberg gratis, exklusive Kost und Logis.» Zuschläge, die dem Staat nicht nur zu Mehreinnahmen verhülfen, sondern diesem auch ganz neue – fiskalische – Möglichkeiten der Strafverschärfung böten!

Askforce Nr. 1260
2. November 2026