Bissige Schlangen,,giftige Mächtige

Der 12-jährige Felix aus Bern ist ein Tierliebhaber. Ganz besonders haben es ihm die Schlangen angetan, allen voran die Aspisviper. «Die hat so ein härziges Köpfchen», lässt uns der Jungbiologe wissen. Nun hat er sich mit einer Frage an die Askforce gewandt, die ihn gemäss eigenen Aussagen «schon ewig» beschäftigt: «Was passiert eigentlich, wenn sich eine Schlange in die Zunge beisst?»

Nun, lieber Felix, möglicherweise ist dir diese Frage in den Sinn gekommen, als du dein Zmorgemüesli etwas gar hastig gegessen und gleichzeitig mit vollem Mund über deine letzte Expedition zu deinen Lieblingen referiert hast. Zack – und schon hast du dir in die Zunge gebissen. Aua, sehr schmerzhaft. So ähnlich geht es auch der Schlange: Beisst sie sich selbst in die Zunge, ist das für sie unangenehm, und sie zuckt kurz zusammen. Aber ansonsten passiert ihr normalerweise nichts. Sie ist gegen ihr eigenes Gift immun. Zudem gibt sie beim Selbstbiss kaum Gift ab, da das clevere Tierchen schnell bemerkt, dass es sich bei der eigenen Zunge nicht um eine Feldmaus handelt.

Aber es stellt sich die Frage, warum sie sich überhaupt beisst. Auch hier ist es nicht viel anders als bei dir, lieber Felix: Sie frisst etwas gar hastig, aus Angst, ihre Beute könnte Reissaus nehmen. Oder sie erschrickt und beisst sich beim Schliessen des Mauls auf die Zunge. Manche Expert:innen sind der Meinung, dass Schlangen mit einem gezielten Biss in die Zunge testen, ob die Giftdrüsen überhaupt noch funktionieren. Eine Art Wartung dieses Werkzeugs.

Nun könnten wir an dieser Stelle abschliessen. Da wir aber aus gut unterrichteten Quellen wissen, dass du in der Schule gerade das Thema Demokratie durchnimmst, lohnt sich ein kleiner gedanklicher Seitenwechsel. Wir möchten nämlich nicht nur dein biologisches, sondern auch dein politisches Verständnis erweitern. Denn auch in der Politik wird gebissen. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Wer sich in der heutigen Welt umschaut, stellt fest, die Mächtigen beissen nie sich selbst. Sie beissen auch selten, um zu überleben. Sie beissen, weil sie es können. Ganze Länder und deren Völker, aber auch die eigene Bevölkerung – auch die, die sie einst gewählt haben. Das Perfide dabei: Die ersten Bisse merkt man meist kaum. Zwei kleine Punkte, ein leichtes Ziehen. Das Gift wirkt langsam. Mit jedem weiteren Biss wird es stärker, bis der Körper – oder eine Gesellschaft – irgendwann nicht mehr richtig mitmacht.

Und hier, Felix, zeigt sich der entscheidende Unterschied: Die Aspisviper hört auf, wenn sie genug hat. Sie setzt ihr «härziges Köpfchen» ein. Den Mächtigen kann die ganze Welt sagen, dass jetzt genug ist – sie fahren trotzdem weiter.

Askforce Nr. 1223
23. Februar 2026

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