Die Fertigkaffee-Kaffee-fertig-Frage

Um unsere Fertigkeit als Askforce auf die Probe zu stellen, richtet Stefan K. aus Bern eine schlichte Frage an uns. Sie lautet: «Warum ist der Unterschied zwischen Fertigkaffee und ‹Kaffee fertig› so unglaublich gross?» Gerade wer Letzteres auf nüchternen Magen konsumiert, erlebt oft sein blaues Wunder.

Die Frage fällt in die Kategorie der «vertauschten Begrifflichkeit» oder «linguistischen Permutation». Vielleicht ist Ihnen das Spiel bekannt, das Eltern mit Kindern manchmal auf ereignisarmen Zugfahrten oder eintönigen Autoreisen spielen. Dazu braucht es zusammengesetzte Wörter, mit denen die deutsche Sprache reichlich gesegnet ist.

Jemand beginnt mit einem Wort wie Tragtasche. Die nachfolgende Person muss nun ein Wort bilden, das mit Tasche oder Taschen beginnt. Eine zulässige und sehr schweizerische Antwort wäre Taschenmesser, worauf es mit Messerklinge weitergehen könnte.

Nun wird es kniffliger: Gibt es den Klingenschmied oder den Klingenstahl?
Wie wäre es mit Klingenspitze? Danach kommt – wenn die Familie in die Skiferien fährt – Spitzensalat. (Allerdings ist die Zeit, als Ski brachen, schon lange vorbei.)

Es kann der Spezialfall eintreten, dass sich das Spiel im Kreis dreht. Nehmen wir an, jemand fährt nach Skischuh mit Schuhschnabel fort, dem mächtigen afrikanischen Vogel, worauf jemand anderes mit Schnabelschuh einen Sprung ins Mittelalter wagt. Nun wäre wieder Schuhschnabel möglich, dann wieder Schnabelschuh. Es kommt zu einer endlosen Schleife. Selbiges droht auch dem Fertigkaffee, der sich im Wortumdrehen in Kaffee fertig verwandelt. Über den Schönheitsfehler, dass «Kaffee fertig» in zwei Wörtern geschrieben wird, sehen wir grosszügig hinweg.

Allen, die schon einmal dem Après-Ski gefrönt haben, ist klar, dass der von Stefan K. angesprochene «unglaublich grosse Unterschied» beim Klaren liegt, also dem beigefügten Träsch oder Obstbranntwein. Gerade in den Monaten, die nicht dem Winter zugerechnet werden, geht das gerne vergessen.

In diesen Zeiten der Spaltung betont die Askforce das Verbindende. Wir setzen voraus, dass Fertigkaffee nicht als gekühlter Kaffeedrink, sondern als Bezeichnung für Pulverkaffee aufzufassen ist. Solchen Kaffee verwendet man gemeinhin auch für «Kaffee fertig»; man sollte die Körnchen aber nach Apothekerart fast einzeln abwiegen, damit das Heissgetränk nicht zu stark eingetrübt wird.

Bei Wortvertauschungen ist der Unterschied in der Regel immer sehr gross. Schuhschnabel und Schnabelschuh belegen dies vielleicht noch eindrücklicher als Fertigkaffee und «Kaffee fertig».

Askforce Nr. 1238
8. Juni 2026