Blondinenwitze, optimiert
Cédric F. sagt von sich, er sei «nicht mehr ganz jung», aufgewachsen in einer Zeit, als man sich unter Männern oft sehr flache und vor allem «sehr körperbetonte» Witze erzählt habe. Er selber begreife sich freilich als «sensiblen Menschen» und er habe die derben Spasskanonen seiner Jugendjahre stets gemieden: «Lachnummern auf Kosten der Schwächeren sind nicht mein Ding.» Bei Blondinenwitzen habe er aber immer lachen müssen. Schlimmer noch: Werde er heute gebeten, einen Witz zu erzählen, kämen ihm nur Blondinenwitze in den Sinn. Das sei in seinem Fall nur deshalb nicht haarsträubend, weil er mit einer Glatze brilliere. In seinem Dilemma sucht er nun den Rat der Askforce: «Gibt es Möglichkeiten, Blondinenwitze in eine intelligente, gendergerechte, zeitgeisttaugliche Form zu transformieren?»
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch im vorliegenden Fall erscheint die Aufgabe schier unlösbar. Ein Kernelement des Blondinenwitzes ist ja die Herabsetzung aufgrund äusserer Merkmale, also «blond = dumm». Und Herabsetzung lässt sich nicht modernisieren: Auch moderne Herabsetzung ist Herabsetzung. Blondinenwitze, von Männern erzählt, sind überdies doppelt herabsetzend: Sie stellen das Weibliche per se als etwas Intelligenzvermindertes dar. Darum: Finger weg von dieser Witzgattung!
Weil aber Cédrics Not gross ist, wollen wir unsere – hoffnungsarmen – Ratschläge zur Blondinenwitzoptimierung nicht völlig unterschlagen: Sie sollten versuchen, die blonden Mitmenschen weiblichen Geschlechts im Witz intellektuell aufzuwerten und das Spannungsfeld männlich-weiblich zu umgehen. Statt einer Blondine (w) oder eines Blonden (m) könnten Sie – genderreflektiert – einfach Blond auftreten lassen: «Zwei Blond, die beide zum Thema Blondwitze habilitiert haben (…).» Als Übungsvorlage stellen wir folgenden Rohtext zur Verfügung:
Zwei Blond, die beide zum Thema Blondwitze habilitiert haben, gehen spazieren. Da sehen Sie mitten auf dem Fussballrasen ein verängstigtes Blond in einem Schlauchboot – offenbar in Seenot und nahe daran, aus dem Boot zu springen. Blond Nr. 1 seufzt: «Du kennst ja die Blondwitzpointe, die hier vorgesehen ist. – ‹Genau wegen solch doofen Blond gibt es Blondwitze! Wenn ich schwimmen könnte, würde ich gleich rüberschwimmen und es tüchtig ohrfeigen.› –» Blond Nr. 2 nickt und sagt, es genüge ja durchaus, mit Blond da draussen auf Augenhöhe zu kommunizieren – und ruft dem Wesen im Boot zu: «Genitiv ins Wasser!» Die Antwort aus dem Schlauchboot: «Wieso, ist es Dativ?»
Das Obige ist kein guter Witz, sondern einfach ein Tipp für die mögliche Herangehensweise. Jetzt sind Sie dran, Cédric! Sie dürfen Ihre optimierten Witze gerne der Askforce zur Prüfung vorlegen. Und sollten Sie komplett scheitern, dann übergeben Sie den Fall an Blond. James Blond.
Askforce Nr. 1232
27. April 2026