Anreize?Welche Anreize denn, bitte?
Heute beantwortet die Askforce eine sogenannte Offizialfrage. Eine Frage also, der wir von Amtes wegen nachgehen müssen. Unsere Leserschaft kann ihre Sperberaugen schliesslich nicht überall haben. Und zwar geht es um die Aussage der Berner Lokalpolitikerin Frau M. in einem Zeitungsartikel über verdichtetes Bauen. Aufstockungen seien nötig, um genügend Wohnraum zu schaffen. «Allerdings müssten auch Anreize gesetzt werden, damit die Personendichte in den Wohnungen steigt», so die Grünbürgerliche. Denn der Trend sei in den letzten Jahrzehnten stets Richtung grössere Wohnungen für weniger Menschen gegangen.
Anreize. Tönt gut. Aber, fragt da die Askforce pflichtschuldigst, wie wollen Staat und Markt das angattigen? Eine Möglichkeit wäre ja, besonders attraktive Schlafzimmer bereitzustellen. Denn wie erhöht man die Personendichte pro Wohnung am nachhaltigsten? Durch Fortpflanzung. Schon in der Bibel heisst es: Seid fruchtbar und mehrt euch und regt euch auf Erden, dass euer viel darauf werden. Irgend etwas sagt uns aber: Das Ausgangsproblem in Bern – viele Wohnwillige, wenig Wohnungen – würde dadurch nicht wirklich gelöst.
Welche Anreize könnte die zackige Staatsdienerin stattdessen gemeint haben? Die Askforce erörterte intern noch folgende Möglichkeiten: Wieder mehr Etagenbetten. Wohnen in Tag- und-Nacht-Schichten (mit Leintuch-Wechsel). Umerziehung durch 4-Zimmer-Wohnung-Verbot für Singles. Ein-Kind-Familienpolitik nach chinesischem Vorbild. Steuerabzüge für Dachmansarden-Mieter, aber nur bei WC und Dusche im Korridor. Allgemeines «Downsizing», sprich: Gesundschrumpfung der Ansprüche. Ein paar könnten ihre Zelte auch draussen aufschlagen. Wozu hat man möblierte Plätze in der Stadt. Und ewig Sommer ist auch bald.
Kleiner wohnen lautet also die neue Devise. Da könnte man neidisch werden auf die Dählhölzli-Bewohner. Denn dort verfolgt die Stadt die umgekehrte Strategie: mehr Platz für weniger Tiere. Unsere Politikerin Frau M. übrigens wohnt in einer 2-Zimmer-Altbauwohnung, wie sie in einem Interview vermerkte. Doch hoffentlich wärmesaniert! Was die Askforce betrifft, nun ja, so ein Expertengremium ist halt raumgreifend. Dafür fliegen wir fast nie und essen Bio-Gemüse aus Tägertschi. Fussabdruckmässig ist unser Gewissen rein. Offizialfrage so weit erledigt.
Askforce Nr. 872
24. September 2018