Die Henus-Ode:An wen richtet sie sich?

An eine epochale Erkenntnis der «Fachinstanz für alles» sei gleich vorab erinnert, ohne die übliche einleitende Frage: Kaum ein berndeutscher Ausdruck wird – von unzähligen, hier nicht zitierbaren Schlämperligen abgesehen – so oft vom gemeinen Volke ausgestossen wie «Henusode». In opfermässigem Tonfall, mit hörbarem Seufzen und traurigem Achselzucken. Was ja zeigt, dass das gemeine Volk eigentlich nicht gemein oder bösartig, sondern friedvoll gestimmt ist. Böse wird das Volk nur, wenn es seine unendlichen Konsumfreiheiten gefährdet sieht. Etwa wenn «Studierte», «Schreibtischtäter» und «sogenannte Intellektuelle» (wie die Askforce, das sei hier ohne Weiteres eingeräumt) wieder mal «in Bern oben» eine unverständliche Studie publizieren. Womöglich mit dem Fazit, dass irgendetwas, was das kleine Individuum von der Strasse so liebt, falsch sein soll – Fleisch-Essen, Rauchen, Fliegen, exzessiver Smartphone-Gebrauch. Dann seufzt das Volk «Henusode» – bevor das nächste Steak auf den Grill geschmissen, ein weiterer Joint entfacht oder der dritte Ferienflug des Jahres auf dem Smartphone gebucht wird.

Solch banale Realitäten offenbar missachtend, stellt ein gewisser Rainer S. aus Hinterkappelen seine hochtrabende Frage: «An welche römische Göttin richtet sich die Henus-Ode?» Lesen wir richtig? Römische Göttinnen? Oden? «Read my lips», raten wir da mit Papa Bush senior (sel.) und seufzen für einmal nicht in Latein, sondern in bodenständigem Berndeutsch, in dialektaler Variation des zitierten Ausrufs: Henudeso! Und fragen zurück: Sind Sie, Herr S., der Gattung Volk schon mal in natura begegnet? Sollte doch kein Problem sein in Ihrer Agglo! Oder leben Sie, Herr S., im siebten Himmel der abgehobensten, aber leider unechten Eliten, in einem Wolke-sieben-Kuckucksheim am Wohlensee? Wir müssen es vermuten.

Sonude! Die für einmal volksnahe Askforce rafft sich auch da zu einer Antwort auf! Gemäss unserer Wissensplattform Ask Social («die, wo sech nie trumpiert!») soll es ein gutes Dutzend römische Göttinnen gegeben haben. Sie sollen im alten Rom eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Deshalb hätten sie sich, heisst es, alle um das Häusliche gekümmert. Und die Häuslichste unter den Häuslichen war Vesta – die Göttin des Herdfeuers.  Weshalb dem so war? Weil Jupiter, oberster Gott im römischen Kosmos, das Motto «Göttinnen an den Herd» ausrief. Denuso, Herr S.: Leider kennt Ask Social die Henus-Ode nicht. Wir aber folgern: Wenn es sie gab, muss sie sich an die Göttin Vesta gerichtet haben!

Askforce Nr. 1218
19. Januar 2026