Nackte Tatsachen
Während die Welt sich über die Amerikaner wundert, wundert sich eine amerikanische Youtuberin über die Schweiz. Genauer gesagt über unsere Kantonswappen. Beziehungsweise darüber, was den Tieren auf ebendiesen Wappen zwischen den Beinen hängt. Wobei «hängen» in diesem Fall eine medizinisch unhaltbare Unterstellung ist. Es sind die sehr gut durchbluteten primären Geschlechtsorgane, die bei der Amerikanerin für Befremden sorgen. Unsere Leserin A. Zoccoli hat nicht nur das entsprechende Youtube-Filmchen der Amerikanerin gesehen, sondern bereits als Kind – «kichernd», wie sie bekennt – die strammen Schnäbi auf den kantonalen Hoheitszeichen bemerkt. Sie fragt, ob die Schweiz ihre «nicht jugendfreien Wappen» mit schwarzen Balken zensieren sollte, um «niemanden zu befremden (jedenfalls keine Fremden)».
Die Askforce hat sich den Rat der Youtuberin («Look it up, if you don’t believe it») zu Herzen genommen und sich die Kantonswappen angeschaut. Wir haben sieben Penisse gezählt, wobei beim Schaffhauser Schaf- und beim Bündner Steinbock das Skrotum augenfälliger ist. Das Gemächt des heiligen Fridolin haben wir übrigens nicht mitgerechnet, da er es – Gott sei Dank – züchtig unter seiner Kutte versteckt. Dasselbe gilt für den Uri-Stier, dessen Leib nicht zu sehen ist, was der sexy Nasenring aber wieder wettmacht, wenn man draufsteht.
Die Obsession für Penisse auf Wappen – oder Pimmel-Fimmel, wenn Sie den heraldischen Fachausdruck bevorzugen – rührt daher, dass die Darstellung der sogenannten Mannheit Kraft, Männlichkeit und Wehrhaftigkeit symbolisieren soll. Was auch erklärt, weshalb die Genfer bei ihrem Adler lieber die starken Klauen betonten als dessen Kloake. Ein nicht ausstülpbarer Penis (Penis non-protrudens) macht einfach keinen Staat.
Braucht es nun also schwarze Zensurbalken? Oder drücken wir dem Berner Bären lieber ein kaschierendes Sturmgewehr in die Klauen? Damit haben die Amis ja im Gegensatz zu nackter Haut kein Problem (was vermutlich auch die Erklärung für ihr ungesundes Verhältnis zu Schusswaffen ist). Oder wäre es nicht an der Zeit, unsere Wappen grundlegend zu überarbeiten und die männlichen Geschlechtsteile durch weibliche zu ersetzen? Nicht aus «Woke-Wahnsinn», wie die «Weltwoche» wohl titeln würde, sondern um die staatlichen Attribute an die Realität anzupassen. Schliesslich sind die Kantone längst von wehrhaften zu nährhaften Ständen geworden. Oder sind wir nicht alle dankbar, zwischendurch an den prall gefüllten Eutern des Wohlfahrtsstaates zu nuckeln? Eben.
Askforce Nr. 1221,
9. Februar 2026